Geschichte

Aufzeichnungen zu Vanuatus reicher Geschichte beginnen zu den Seefahrerzeiten, als die Europäer überzeugt davon waren, dass die Erde keine Scheibe ist und sich auf der Südhalbkugel ein mächtiger Kontinent als Gegengewicht zu den Landmassen der Nordhalbkugel befinden müsse.

Im späten 16. Jahrhundert brachen zwei spanische Expeditionen von Peru aus auf, um nach diesem sagenumwobenen Südkontinent „Terra Australis“ zu suchen. Sie erreichten jedoch nur die Salomonen.
In den nächsten zehn Jahren ersuchte de Quiros den spanischen König wiederholt, eine weitere Expedition zu finanzieren. Im Jahre 1605 wurde seinem Wunsch schließlich stattgegeben und er erhielt den Auftrag, die große Landmasse zu finden, zu kolonisieren und alle Bewohner zum Katholizismus zu konvertieren. Auch der damalige Papst Clement VIII unterstützte dieses Vorhaben.
Als de Quiros die Big Bay erreichte, wähnte er sich aufgrund ihrer Ausmaße am Ziel seiner Suche. Er nannte das Land Austrialia del Espiritu Santo.
Typisch für spanische Eroberer dieser Zeit, erschoss er nach Ankunft in der Big Bay alle Einwohner, die ihm begegneten, und erklärte das Land zum Eigentum Spaniens im Namen Gottes und der spanischen Krone. De Quiros gründete eine Kolonie namens Neu-Jerusalem in der Nähe des Flusses Jordan. Seine psychische Instabilität führte dazu, dass er sich selbst zum König erklärte und die gesamte Besatzung bis zum einfachsten Koch zum Ritter schlug.

Fieber, zunehmende Feindseligkeiten der Bevölkerung und andere Unwägbarkeiten bewogen die Crew und die Kolonisten, gegen den zunehmend instabilen de Quiros zu rebellieren. So sah sich dieser nach nur 54 Tagen gezwungen, die Insel wieder zu verlassen. Seine glühenden, unrealistisch anmutenden Berichte über die fantastische neue Welt konnten den Spanischen Hof kaum beeindrucken und seine Versuche, noch einmal zurückzukehren, scheiterten. Für die nächsten 160 Jahre blieben die Inseln von Europäern unberührt.

Im Jahre 1766 brach der Franzose Louis Antoine de Bougainville mit zwei Schiffen zu einer erneuten Entdeckungsreise auf. Seine Erkundungen auf den Inseln waren etwas ausgedehnter als die seines Vorgängers. So benannte er die Inseln Maewo, Pentecost, Ambrym (er konnte allerdings nicht sagen, ob es sich um einzelne oder eine einzige, zusammenhängende Insel handelte) sowie Malakula und wies nach, dass Espiritu Santo in Wirklichkeit eine Insel ist und nicht der legendäre Südkontinent. In einem für Entdecker nicht unüblichen Anflug von Egoismus benannte er außerdem die Meeresstraße zwischen Malakula und Santo nach sich selbst.

Bougainvilles einzige Landgänge dienten dem Sammeln von Holz sowie frischem Obst gegen den an Bord herrschenden Skorbut. Bei jeder Gelegenheit begegneten ihm die Einwohner mit passiven und gelegentlich auch aktiven Anfeindungen.

Des weiteren stellte Bougainville fest, dass die Bevölkerung von Aoba, heute Ambae, aus zwei Typen zu bestehen schien, von der der eine kleiner und dunkelhäutiger war als der andere. Da diese Unterscheidung heute nicht mehr besteht, ist es sehr wahrscheinlich, dass die letzte polynesisch/melanesische Einwanderungswelle damals höchstens wenige Jahrhunderte zurücklag.

Noch bevor Bougainville nach Europa zurückkehrte, war der englische Entdecker James Cook zu seiner ersten Südseereise aufgebrochen. Aber erst bei seiner zweiten Reise erreichte er Vanuatu.
Wie seine Vorgänger reiste auch Cook mit zwei Schiffen. Im November 1773 wurden die beiden Schiffe jedoch bei einem heftigen Unwetter nördlich von Neuseeland getrennt. Das zweite Schiff, die „Adventure“, kehrte im Sommer 1774 nach England zurück. Cook verbrachte einige Zeit mit der Suche nach der Adventure, wobei er zunächst nach Südosten und anschließend nach Nordwesten segelte. So erreichte er im Mai 1774 die Osterinseln und im Juni die Insel Tonga. Nachdem er die Insel am 01. Juli 1774 wieder verlassen hatte, kam am 16. desselben Monats erneut Land in Sicht. Am Tag darauf wurde Cook bewusst, dass Austialia del Espiritu Santo vor ihm lag.

Cook erkundete die Inseln und ihre Umgebung umfassender als alle Europäer zuvor. Dabei stellte er fest, dass Pentecost und Ambrym zwei separate Inseln sind und dass sich auf Ambrym zwei aktive Vulkane befinden. Er hielt Paama und Lopevi für eine zusammenhängende Insel und identifizierte die Insel Epi, bevor er nach Westen segelte und in Port Sandwich auf Malakula vor Anker ging.

In den folgenden Wochen steuerte Cook die südlichen Inseln Efate, Erromango und Tanna an, wo er auf gemischte Reaktionen der grundsätzlich misstrauischen Bewohner traf. Er ging mehrfach an Land, um Holz zu sammeln und frisches Wasser an Bord zu bringen. Dabei tauschte er Kleidung und Hunde gegen Nahrungsmittel sowie das Recht, Wasser zu schöpfen und einen Baum zu fällen, um ein beschädigtes Ruder zu reparieren. Der Zutritt zum Landesinnern wurde ihm jedoch überall verwehrt, so dass eine geplante Besteigung des Vulkans Yasur auf Tanna nicht zustande kam. Schließlich verließ Cook die Inselgruppe in nördlicher Richtung und passierte dabei die Westküste Malakulas und Santos.

Wie vor ihm schon Bougainville bemerkte auch Cook, dass die Inseln von unterschiedlichen Bevölkerungstypen bewohnt wurden. Außerdem beschrieb er die flachen und langgestreckten Schädel vieler Einwohner der nördlichen Inseln, hatte aber noch keine Kenntnis darüber, dass sie das Ergebnis traditioneller Kopfbinden sind.
Im Jahre 1786 entsandte die französische Regierung den Seefahrer Jean-François de La Pérouse in die Südsee. Die letzten Informationen von ihm stammen aus Botany Bay in Australien, danach verschwand er spurlos. Erst viele Jahrzehnte später wurde sein Schicksal geklärt: Gefundene Wrackteile deuten darauf hin, dass de la Pérouse vor den Santa Cruz Inseln Schiffbruch erlitt.
Die Entdecker d´Entrecastaux und Dumont d´Urville meldeten auf der Suche nach de La Pérouse in den Jahren 1791 und 1825 die Sichtung Vanuatus, gingen aber nicht an Land.
1826 brach der Franzose Dillon ebenfalls zu einer Suche nach de La Pérouse auf und landete auf der Insel Erromango in der Bucht, die jetzt seinen Namen trägt. Zu diesem Zeitpunkt war die Südsee jedoch schon gut erforscht, insbesondere durch die in Australien siedelnden Engländer. Unglücklicherweise zogen die abgelegenen Inseln die Aufmerksamkeit derer auf sich, die als Abschaum der weißen Rasse beschrieben wurden. Es folgten viele weitere Gräuel, die zu einer Reduzierung der Bevölkerung von etwa einer Million zu Zeiten Cooks auf weniger als 45.000 im Zweiten Weltkrieg führten.
Die ersten Missionare Vanuatus ließen sich im Jahre 1839 auf Erromango nieder.
In den folgenden neun Jahren setzten sie daher konvertierte Polynesier als Missionare ein, die zugleich als Kanonenfutter herhalten mussten – wenn sie überlebten, konnten die Europäer bedenkenlos folgen.
In den folgenden Jahren unternahmen Katholiken, Presbyterianer und Anglikaner aus England, Noumea und Frankreich verschiedene Versuche, die ni-Vanuatu zu konvertieren. Viele dieser Versuche endeten frühzeitig durch Tod oder Rückzug. Die Missionare ließen sich jedoch nicht entmutigen und in den 1860er Jahren bestanden über die Inseln verteilt mehrere konfessionelle Missionsstationen.
Die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung waren unterschiedlich. Von den Einwohnern, die zum Christentum übergetreten waren, starben viele innerhalb kürzester Zeit, weil sie durch den Kontakt mit den Europäern vermehrt den eingeführten Krankheiten ausgesetzt waren. Dazu zählten damals nicht nur Masern und Ruhr, sondern auch Pocken, Grippe, Lungenentzündung, Scharlach, Mumps, Keuchhusten und einfache, aber oft tödliche Erkältungen.

Traditionelle Medizin, die, kombiniert mit einer gewissen genetischen Immunität, ein wirksames Mittel gegen einheimische Krankheiten darstellte, hatte diesen neuen medizinischen Schrecken nichts entgegenzusetzen. Folglich entwickelten die Einwohner, die noch nicht zu einer der neuen Religionen konvertiert waren, interessante und vollkommen verständliche Ansichten. So vertraten einige die Auffassung, dass die neue Religion und ihr Gott machtlos gegenüber Krankheiten seien.

Andere wiederum übernahmen eine etwas pragmatischere Sichtweise: Da ihren Religionen zufolge alle Krankheiten das Ergebnis von Zauberei sind, müsse das Christentum eine äußerst bösartige Religion sein, wenn sie ihre Konvertierten auf eine solch brutale Weise attackiert. Diese Überzeugung führte zur Tötung mehrerer Missionare nach Epidemien.

Dennoch kamen immer wieder neue Missionare nach Vanuatu und hatten einen so tiefgreifenden Einfluss auf die melanesische Gesellschaft, dass in einigen Gegenden die vielleicht jahrtausend alte Kultur für immer zerstört wurde. Insbesondere die katholischen Missionare hinderten ihre Konvertiten daran, Elemente ihres alten animistischen Glaubens in die neue Religion zu übernehmen. Auf der anderen Seite hatten die Katholiken einen entscheidenden Einfluss auf die zukünftige Verwaltung Vanuatus, das damals noch unter dem Namen „Neue Hebriden“ geführt wurde.

Anfang des Jahres 1942 hatten die Japaner die nahegelegenen Salomonen erreicht und die Einwohner der Neuen Hebriden lebten in ständiger Angst vor einer Invasion. Aber die Amerikaner waren schneller und kamen völlig unangekündigt im Mai 1942.

Die Wirkung dieses Anblicks muss beeindruckend gewesen sein: Die weite Mele-Bucht im Morgengrauen, belagert von Kriegsschiffen. Ein großer Teil der Bevölkerung Vilas floh in die Berge in der Annahme, den Japanern gegenüberzustehen. Es dauerte einige Zeit, die Menschen vom Gegenteil zu überzeugen, aber die schleichende Annäherung der Amerikaner war ein wichtiger Bestandteil ihrer Strategie gegen die scheinbar unschlagbaren Japaner.

Innerhalb kürzester Zeit wurden 100.000 Soldaten auf Espiritu Santo stationiert, wodurch sich die Bevölkerungszahl praktisch übernacht verdoppelte. Und auf allen Inseln entwickelte sich ein interessantes soziales Phänomen. Die Einwohner waren erstaunt über die scheinbar gleiche Behandlung schwarzer und weißer Soldaten. Und als sie selbst in den Dienst der Amerikaner traten, wurden sie mit nie erlebtem Respekt behandelt und erhielten Löhne, die ihre bisherigen Einkünfte bei weitem überstiegen. Die großzügigen Amerikaner kümmerten sich auch um ihre Lebensbedingungen und versorgten sie mit Kleidung und Betten, Kühlschränken und Möbeln aus dem PX-Store.

Am Ende des Krieges drei Jahre später verließen die Amerikaner die Region genauso schnell, wie sie gekommen waren. Aufgrund der Leihpacht-Politik, mit der der Krieg finanziert worden war, konnte die amerikanische Wirtschaft dem Zustrom zurückkehrender Güter nicht mehr Herr werden. Deshalb schlugen die Amerikaner der französisch-britischen Verwaltung vor, Maschinen, Bulldozer und Werkstattgerät, Kräne und Trucks, Büroausstattungen, kurzum alles, was sie mitgebracht hatten, zu einem Preis von etwa sieben Prozent des ursprünglichen Wertes zu kaufen.

Aber nach längeren Überlegungen ließ das Kondominium verlauten, dass es nicht bereit sei, für etwas zu zahlen, was die Amerikaner ohnehin zurücklassen würden. In einer wütenden Reaktion wurden alle beweglichen Güter ins Meer geworfen. Diese Welle von mutwilligen Zerstörungen trug auf allen Inseln zur weiteren Ausbreitung der bereits blühenden Cargo-Kulte und zur wachsenden Abneigung der Einwohner gegen die französisch-britische Gemeinherrschaft bei.

Rund um die Insel Efate gibt es viele Orte, an denen Taucher einen Großteil dieses entsorgten Materials finden können. Der bekannteste ist jedoch der so genannte „Million Dollar Point“ auf Espiritu Santo. Nach dem Krieg hatten die Amerikaner aber nicht nur ihre Güter, sondern auch eine aus Sicht des Kondominiums überbezahlte und anspruchsvolle Bevölkerung zurückgelassen. Noch heute erinnern sich viele ni-Vanuatu daran, wie die Behörden in ihre Häuser kamen und Dinge mitnahmen, die die Amerikaner ihren Vätern gegeben hatten, darunter Kleidung, Möbel und so wertvolle Schätze wie Kühlschränke und Radios. Großbritannien und Frankreich lagen in Scherben und hatten genug damit zu tun, ihre eigene Wirtschaft wieder aufzubauen, statt sich um die Bedürfnisse eines entfernten Außenpostens im Pazifik kümmern zu können. So dümpelte die Wirtschaft der Neuen Hebriden unter einem völlig überforderten dualen politischen System über Jahre vor sich hin. Aber es tauchten auch erste Hoffnungsfunken auf, die sich in den 1960er Jahren endgültig entzünden sollten.

Mitte der 1960er Jahre hatten europäische Siedler etwa 30% der gesamten Landfläche unter Besitz genommen. In einigen Regionen auf Santo sogar mehr, als zur Verfügung stand
Viele Siedler hatten Waldstücke gerodet, um Kokosnüsse anzubauen, denn für einige Zeit war Kopra eine der Hauptstützen der Wirtschaft. Aber als die Preise für Kopra fielen, mussten sich die Pflanzer nach Alternativen umsehen. Sie begannen, auch Wälder außerhalb ihrer Plantagen zu roden, um die Flächen für Viehzucht zu nutzen. Dies löste auf Santo und Malakula heftige Proteste der lokalen Dorfbewohner aus, die sich dagegen wehrten, dass noch mehr Teile des Landes gestohlen wurden. Die Widerstände wurden immer größer und führten zusammen mit dem seit Ende des Zweiten Weltkrieges herrschenden allgemeinen Unmut zur Gründung politischer Parteien.
Auf der einen Seite standen von der französischen Bevölkerung unterstützte Parteien wie zum Beispiel die Nagriamel-Bewegung, auf der anderen Seite gründete der anglikanische Minister Pater Walter Lini die von der englischsprachigen Bevölkerung unterstützte Vanua´aku Partei.

Mit der zunehmende Politisierung des Landes traten immer mehr der im Land zur Minderheit gehörenden Anglikaner der Vanua´aku Partei bei während die französische Mehrheit in verschiedene Strömungen zersplitterte. Gebildete Melanesier und Frankophone gemischter Abstammung sahen sich mehr als Franzosen denn als Melanesier und waren strikt gegen die von den Briten unterstützte frühe Unabhängigkeit. Einige wollten, dass das Kondominium bestehen bleibt, andere forderten den Rückzug der Briten und die Annektierung des Landes durch die Franzosen.

Diese Spannungen innerhalb der französischsprachigen Bevölkerung und weitere Irritationen, die über die geplante Autonomie Santos und später auch Malakulas und Tannas entstanden waren, bildeten den Rahmen für die ersten allgemeinen Wahlen.

Nach unzähligen Streitereien und Anschuldigungen, mit denen sich ganze Regale füllen ließen, ging im November Pater Walter Linis Vanua´aku Partei als klarer Sieger hervor. Aber der Sieger zu sein bedeutete nicht, auch alle überzeugt zu haben. Man darf nicht vergessen, dass das Archipel aus über 80 Inseln und über 113 Sprachen besteht und zu den kulturell vielfältigsten Ländern der Welt zählt. Der Versuch, dieses Sammelsurium zu regieren, hatte schon dem Kondominium größte Probleme bereitet. Und da unter der französisch-britischen Herrschaft keine Vorbereitungen für eine zukünftige Unabhängigkeit getroffen worden waren, stand Pater Walter Lini keine einfache Zeit bevor.

Die Franzosen waren seit jeher sehr besitzergreifend, was ihre Kolonien betrifft, aber trotz ihrer Einwände wurde die Unabhängigkeit für Mitte 1980 anvisiert. Doch im Mai des Jahres, nur wenige Wochen vor Ende der Gemeinherrschaft, spaltete ein Aufstand die Insel Tanna in zwei Lager. Das eine Lager unterstützte die neue Regierung, das andere die Franzosen. Auf Santo nutzte Jimmy Stevens die Gelegenheit, um den Flughafen zu blockieren, die Polizei zu vertreiben und die Unabhängigkeit Santos vom in der Entstehung begriffenen Vanuatu zu erklären und er hisste die Flagge des unabhängigen Staates Venerama.

Die Ungereimtheiten während des Kondominiums waren nichts gegen das Chaos, das in den folgenden Wochen herrschte. Frankreich lehnte das Eingreifen britischer Truppen ab, während die eigenen Truppen tatenlos zusahen. Nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet hielten Jimmy Stevens´ Männer das Ganze Land in Atem. Kurz vor Beginn der Unabhängigkeit befand sich Pater Walter Lini in einer politischen Sackgasse. Außer ein paar Sympathiebekundungen und der Versicherung, dass man sich um alles kümmern werde, erhielt er kaum Unterstützung von den scheidenden Kolonialmächten. Aber obwohl er als Regierungschef eines noch nicht gegründeten Landes offiziell nichts unternehmen konnte, bat er die politisch neutralen Truppen Neuguineas um Unterstützung in dieser weltweit als „Kokosnusskrieg“ belächelten Auseinandersetzung.

Für das kaum auf seine bevorstehende Unabhängigkeit vorbereitete Land war die Situation allerdings alles andere als komisch. Die Ereignisse lassen sich wohl am besten im Licht der jüngsten Kolonialgeschichte und der melanesischen Kultur verstehen. Neben vielen politischen Abhandlungen und historischen Zeugnissen liefert eine kurze, humorvoll geschriebene und äußerst lesenswerte Darstellung des australischen Journalisten Richard Speers einen interessanten Überblick über diesen „Krieg“. Sie ist bei Penguin Books unter dem Namen „The Coconut War“ erschienen und in vielen Bibliotheken verfügbar.

Es war ein seltsamer Krieg, der geprägt war von bösen Worten, diplomatischer Doppelzüngigkeit, Pfeil und Bogen und der Gleichgültigkeit der Franzosen. Er endete genauso schnell wie er begonnen hatte, als Jimmy Stevens´ Sohn beim Durchbrechen einer Straßensperre von neuguineaschen Soldaten erschossen wurde. Kurz nach diesem Vorfall ergab sich Stevens und wurde verhaftet. Dokumente, die jetzt ans Licht kamen, belegten das doppelte Spiel, das die französische Verwaltung gespielt hatte. Während sie sich offiziell zu Walter Lini als rechtmäßig gewähltem Vertreter Vanuatus bekannt hatte, hatte sie im Hintergrund die abtrünnigen Bürger und Jimmy Stevens unterstützt.

Trotz dieser Schwierigkeiten wurden im Juni 1980 die französischen und britischen Flaggen ein letztes Mal eingeholt und durch die Flagge der Republik Vanuatu ersetzt – eine neue Nation, befreit vom Joch des Kolonialismus, war geboren. Die große Mehrheit der Franzosen verließ das Land und erhielt von der französischen Regierung eine Entschädigung für ihre verlorenen Ländereien. Der Landbesitz ging jetzt vollständig in die Hände der indigenen Bevölkerung über.

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